OFFENER BRIEF

Offner Brief : 

Francois Bernard Géraudel 
Badenbütteler Straße 4 
38542 Leiferde 


Seine Eminenz 
Herr Gabriel Busquets Aparicio 
Botschaft Spanien 
Lichtensteinallee 1 
10787 Berlin 

Leiferde, den 02.10.2007 

Spanien, ein Urlaubsland? 


Sehr geehrte Eminenz, 

eigentlich bin ich ein sehr umgänglicher Mensch, der seinen Mitmenschen ihren gewählten Freiraum lässt. Und eigentlich versuche ich immer, meinen Mitmenschen mit Verständnis und Respekt zu begegnen, Riten und Gebräuche der Länder, bei denen ich zu Gast sein darf, verstehen zu lernen. 

Meinen Sommerurlaub 2008 will ich deshalb in Spanien verbringen. Spanien! Das Land mit dem unvergleichlich blauen Himmel, dem unwiderstehlich sauberen Meerwasser! Den netten und fröhlichen Menschen, den kulinarischen Leckerbissen, den herrlichen Rotweinen! Davon träume ich schon lange. Also habe ich mir Informationen im Internet über „mein“ Reiseziel Spanien eingeholt. Und wirklich, ich bin begeistert!

Im Durchstöbern dieser Internetseiten bin ich dann auch auf Inhalte gestoßen, die mir beim Betrachten der Bilder den Atem stocken ließen: blutüberströmte Stiere, gespickt mit kurzen Banderillos, die bei jeder Bewegung neue Schmerzen und Wunden reißen. Stiere, die sich auf wehrlose Pferde stürzen, diese auf die Hörner nehmen und sogar zu Fall bringen und die Hörner immer wieder in den Pferdeleib spießen. Berittene „Stierkämpfer“, die vom Pferd aus den Stier quälen, die lange Lanzen in seinen Körper stoßen und ihm unerträgliche Schmerzen zufügen. Nach wenigen Minuten ist der Stier bereits sehr erschöpft, ringt nach Luft, will ausruhen. Aber er wird noch mehr attackiert, bis er sich zu wehren beginnt. Dabei nimmt er immer wieder die „blinden“ Pferde auf die Hörner, reißt ihnen den Bauch auf…, … bis am Ende ein total erschöpfter, blutüberströmter und Blut hustender Stier bewegungslos in einer Ecke der Arena steht, kaum noch fähig, seinen Kopf hoch zu halten. Dann kommen sogar Frauen als Torreros, die seine Erschöpfung als „Verlangen“ nach dem Todesstoß interpretieren, und ihn mehr oder weniger gekonnt mit einem langen Degen zu töten versuchen. (?)


Meine Empörung und mein Entsetzen ob dieser Freveltaten an Tieren suchten nach Erklärungen, nach Verständnis! Und wieder im Internet bekam ich noch mehr Schreckliches zu sehen, was Spanier ihren Tieren antun: junge Kälber werden durch Dorfstraßen gejagt, die in Panik losstürmen, und dann von Dorfbewohnern mit Spießen und Speeren durchbohrt werden. (?) 

Galgos, die sanftmütigsten und edelsten Hunde, die sich ein Mensch nur wünschen kann, werden auf grausamste Arten umgebracht, von Verhungern, Verstümmeln, bei lebendigem Leib aufschlitzen, hinter Autos hergezogen, bis sie verblutet sind etc etc. Hier soll eine möglichst schmerzhafte Tötungsart die Tiere „reinigen“. (?) Was geht in den Köpfen dieser Spanier vor???


Esel, die auf einem Marktplatz von betrunkenen Menschen mit Gürteln, Fäusten, Flaschen etc totgeschlagen werden, nur zum Spaß, einfach so. Hier wird einer alten dörflichen Sitte entsprochen, die sich jedes Jahr wiederholt. (?) 

Ziegen, die an Ostern zu kirchlichen Anlässen aus dem Kirchturm geworfen werden … (?) 


Hühner, die kopfüber an einer langen Schnur hängen, um von jungen Mädchen, denen die Augen verbunden sind, erschlagen zu werden … (?)  
Diese und leider noch viele andere Rituale sind keine Einzelfälle, wie sie schändlicherweise in jedem europäischen Land vorkommen, sondern Rituale, die sich jedes Wochenende, jedes Jahr traditionell oder touristisch „begründet“ gleichzeitig in hunderten Orten Spaniens aufs Neue wiederholen!!! Warum muss in Spanien das Töten von Tieren so qualvoll und zur Belustigung der Menschen so genüsslich sein? Was hat Spanien erlebt, um so grausam mit Tieren umzugehen?


Auch habe ich im Internet erfahren, dass es in Spanien sehr wohl Tierschutzgesetze gibt, die es verbieten, Tiere zu quälen oder zur Belustigung der Menschen zu töten. Dass Stiere und Hähne von diesem Gesetz ausgeschlossen sind, ist pragmatisch opportun. Einfach nur schändlich! Wirkt es in der heutigen Zeit noch glaubhaft, solch schändliche Tierquälereien mit Tradition zu begründen? Wo sind das Bewusstsein und der Respekt des modernen europäischen Spaniens, wenn Spaniens kleine Kinder spielerisch grausame Tötungsrituale der Erwachsenen nachahmen??? Beginnt Europa, sich Spaniens zu schämen? 

Sehr geehrte Eminenz, Sie als Botschafter Ihres Landes in Deutschland kennen diese und noch viele weitere beschämende Sitten und Traditionen Ihrer Landsmänner besser als ich. Mein Entsetzen darüber ist so groß, dass ich Mühe habe, Verständnis dafür aufzubringen. Daher habe ich eine große Bitte an Sie: erklären Sie mir als Europäer bitte diese Traditionen und Riten, versuchen Sie bitte, mir Spanien als Urlaubsland „interessant“ zu machen, ich möchte Spanien verstehen. Ohne Ihre Hilfe gerate ich in Versuchung, Spanien zu hassen.

Spanien ist ein so schönes Land! Und das grausamste in Europa! Helfen Sie bitte mit, es zu einem liebenswerten europäischen Land zu machen, helfen Sie, die spanischen Grausamkeiten Tieren gegenüber abzuschaffen! 

Mit meinen freundlichsten Grüßen 
 
 
 
F. B. Géraudel 

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